Tiramisu

Mein Weihnachtsfeierfreund hat mir eine sensationelle Geschichte erzählt, die er selbst in Graz miterlebt hat. Es geht darum, dass in einem billigen Cafe ein Kunde eine Portion Tiramisu bestellt hat, worauf dieses Gespräch zwischen den Kellnern entstand.

"Haben wir noch Tiramisu?"
"Ist doch egal. Nimm eine Topfenschnitte, steck ein paar Biskotten rein und streu Kakao drüber."

Ceylon-Assam im Harrach

Ceylon-Assam im Harrach

Ich bin viel zu selten bei der Karl-Franzens-Universität. Wirklich viel zu selten. Mein Zug heute ging um 7:58, und das obwohl ich erst nach 10 Vorlesung hatte. Der nächste würde aber so lange brauchen, dass ich einfach nicht zur Uni kommen würde - weder zur Technik noch zur Karl-Franzens. Mit der heutigen Presse, ein wenig Wuzzeltabak und Musik ausgerüstet saß ich heute am Morgen im Cafe Harrach, las meine Zeitung und sinnierte vor mich hin.
Es passiert in letzter Zeit viel in meinem Lebens. Viel, was tragisch ist, aber auch genauso viel, was mich freut. Und dann doch wieder verunsichert. Eine Prüfung auf eine 3 schrieb ich vor einiger Zeit, und der Professor zeigt sich so uneinsichtig wie Eva Harmann. Dass ich die beste Note bekam zählt nicht - es ist einfach nicht möglich allgemein formulierte, schwammige Fragen bei einer schriftlichen Prüfung zu stellen und dann die präzisen Antworten einer mündlichen Prüfung zu erwarten.
Ich komme mir in letzter Zeit vor wie ein nervöses Nervenbündel. In der Trenntechnik-Vorlesung sah ich drei Mal alle 5 Minuten auf das Handy, weil ich ein Treffen nicht erwarten konnte. Und danach sitze ich da, warte, lese in meinem seltsamen Buch und als sie eintrifft weiß ich nicht, was ich sagen soll. Je bezaubernder die Frau, desto lähmender wirkt sie auf mein Sprachzentrum - ich glaube, das ist eine fatale Kombination.
Ach: Der von vielen Menschen prognostizierte Verfall unserer Jugend (also auch mir) steht nicht bevor. Das kann nicht sein. Das kann wirklich nicht sein, denn sonst würde ich keinen 12-jährigen Burschen am Bahnsteig sitzen sehen, der Isabel Allendes "Das Geisterhaus" liest.

Trailer: I'm Not There



"I'm Not There": Ein Film über Bob Dylan. (via)

SMS-Ansätze

Wieso muss ich 4 SMS anfangen zu schreiben, um schlussendlich eine Nachricht abzuschicken?

Wochenstart im tribeka

Wochenstart im tribeka

Neben mir ein Pärchen, dass sich über den überteuerten Eintritt des Kosheen-Konzerts aufregt, gegenüber eine Studentin Mitte 20, die mir öfters zulächelt, und rechts neben mir eine Gruppe an Studenten, die mit Textmarker bewaffnet sich durch etwa 60 Seiten frischkopierten Skriptenblätter arbeitet.
Es ist Zeit eine Tradition einzuführen, einen angenehmen Wochenstart. Es ist entspannend, in einem unbesetzten Cafe zu sitzen, sich die Leute anzusehen, die Wochenendsbeilage zu lesen und einfach nichts zu tun. Den Montag langsam beginnen lassen. Die langen Artikel der Sonntagsbeilage lesen. Und Tee mit Milch aus einer grossen Tasse trinken.
Es ist amüsant die Montagmorgen-Gespräche diverser Leute mitanzuhören. Saufgeschichten, Dreiecksbeziehungen und Stress - die totale Auswahl aller Themen, die man sich nur vorstellen kann.
Dafür war ich ziemlich grantig, denn ich bekam heute eine Prüfung zurück, die mit einem 3er benotet wurde - ich war hatte zwar das beste Ergebnis, trotzdem bin ich mit dem Ergebnis unzufrieden. Vielleicht werde ich ein Austauschfach belegen, oder Einspruch einlegen. Aber es wird etwas passieren.

Und ich habe noch einen Grund in die Woche zu starten: Christina. Leider hat sie ganz andere Vorlesungszeiten als ich, zudem kommt noch, dass sie auf der (normalen) Karl-Franzens Universität und ich auf der Technischen Universität. Diese beiden Universitäten sind leider weit auseinander, weshalb ein Treffen immer langer Vorplanung bedarf.
Trotzdem, nach den Abenden und dem Konzert mit ihr letzter Woche gibt es nicht mehr viele Dinge, die mich die ganze Zeit beschäftigen. Eigentlich gibt es derzeit nur eine Person, die mich beschäftigt.

Streifen des Grazer Stadtparks #2

Grazer Stadtpark in Streifen #4

Lebensstil

Neulich vor dem Kosheen-Konzert.

"Ich trinke nicht. Und ich rauche nicht. Ich gehe auch nicht lange fort und lebe sowieso nach christlichen Regeln. Dafür lüge ich aber wie gedruckt."

Kosheen im Orpheum

Eintrittskarte zum Kosheen-Konzert

Am Samstag Abend war ich bei einem Maturaball und sprach dort mit dem Guru, und wir fragten uns, ob wir eben gestern Abend zu Kosheen gehen sollten. Gegen 16:00 entschieden wir uns, und das war relativ früh, denn das Konzert begann schon um 20:00. Der Guru holte mich um 18:45 ab, und bevor wir aufbrachen fragte ich noch meinen Bruder - denn ich wusste, dass er einerseits Kosheen noch nie gesehen hatte und ich ihn noch gar nicht gefragt hatte. Er fragte nur, als ich wissen wollte, ob er mitkommen würde, wann denn das Konzert sei. "Jetzt" meinte ich nur, worauf er: "Hmm - warum eigentlich nicht?"
Wir fuhren nach Graz - der Guru, mein Bruder und ich - und auf dem Weg erzählte mein Bruder, er habe Kosheen schon zweimal verpasst, da beide Male das Konzert ausverkauft war. Es war wohl ein schlechtes Omen, denn auch dieses Konzert war ausverkauft, und nachdem unser Plan zum Konzert zu gehen, gerade einmal 3 Stunden vorher definitiv geworden war, hatten wir nicht reserviert.
Ich wollte wieder nach Hause aufbrechen, aber der Guru meinte, wir könnten ja schauen, ob jemand Karten verkaufen würde. Einen Verkäufer fanden wir schnell, aber der hatte nur eine Karte zu viel, und wir brauchten drei - wohl zu wenig. Etwa 20 Minuten später kam eine Gruppe von 3 Studentinnen, die meinten, sie hätten 3 Karten zu vergeben. Just in diesem Moment kam beim Guru eine Bekannte aus Leibnitz vorbei, die ihm ein Gästeticket um 10 Euro verkaufte. Mien Bruder und ich kamen zu unseren Tickets (26 €), er zu seinem und wir alle konnten uns das Konzert ansehen. Wir trafen ein paar Leibnitzer: einen Proseccotrinker und einen Fotografen, den ich schon bei dem Nachwuchsrockkonzert gesehen hatte.

Kosheen #1 Kosheen #2
Kosheen #3 Kosheen #4

Das Konzert war genial, die Stimmung perfekt und die Musik hat sowieso gestimmt. Hin und wieder war mir dann aber doch zu heiss, was wegen meiner Krankheit und dem Faktum, dass ich am Abend davor etwas rauschig war, mir auf den Kreislauf schlug.
Auf dem Heimweg hatten wir wieder Glück - denn in der Parkgarage stand ein Typ aus Wien, der mit der Kartenanlage an der Schrank schimpfte, immerhin hatte das Ding seine Kreditkarte gefressen und er wollte heim nach Wien. Die Schranke war auch kaputt, schien aber erst kaputt gegangen zu sein, nachdem sie sich geöffnet hatte. Und ja: Wir kamen so um die Parkgaragengebühr. Ein Glück.


Streifen der Grazer Altstadt

Grazer Altstadt in Streifen #1 Grazer Altstadt in Streifen #2
Grazer Altstadt in Streifen #3 Grazer Altstadt in Streifen #4

Lob

Übrigens: Ich bin gestern von einem flüchtigen Bekannten lobend auf meinen Blog angesprochen worden. Dass Leute den Blog lesen und es ihnen gefällt freut mich.

Provinzbälle

Gestern sollte eigentlich ein entspannender Abend werden, denn ich bin immer noch krank und nachdem ich mir am Nachmittag ein neues Handy zulegte, wollte ich den Einkaufsstress einfach nur vergessen.
Ich war am Abend bei Chemo, doch rief mich vorher noch unser Guru an, er würde bei einem Abschlussball in der Weinbar arbeiten und er fragte mich, ob nicht vobeikommen wollte. Es war der Abschlussball eines Vereinsmitglieds, und irgendwie sind er und ich schon so lange (er wesentlich länger als ich, aber effektiv kommt es aufs gleiche raus) aus der Schule und der Schulszene draußen, dass wir genau niemanden kannten. Alle viel zu jung und alle unbekannt.
Es war wiedermal ein sensationeller Spass, wie sich manche 14-jährigen in Anzug auf einen Ball trauen - auch wenn es nur ein Provinzball war - und wie sich manch Elternteil anzieht. Es ist grausam anzusehen, wenn ein 40 jahre Alter Mann mit Riesenspaghettifänger, grell-orangen Hemd und alu-silberner Krawatte einen Wein bestellt - und nicht einmal die Sorte richtig aussprechen kann. Das verleiht soviel Eleganz wie ein Mann im Anzug am Anfang eines Hardcore Pornos.
Der Abend verging, der Ball ging zu Ende und wir brachen in Cesa auf, wo noch so einige Überraschungen warten. Hin und wieder denke ich mir, dass wir hier in unserem kleinen Kaff die Vorlage zu "Beverly Hills 90210" bilden, denn es gab an diesem Abend Streitereien, denn sie hat was mit ihm gehabt, was ihr nicht passt und obwohl ein anderer er auf sie steht, lässt sie ihn links liegen und was weiss ich noch.
Gut zureden, bisserl trösten und das war es. Anstrengend.

Heute fahre ich noch nach Graz, mit dem Guru Kosheen ansehen im Orpheum, mal sehen wie es wird. Und ich freue mich auf die nächste Woche, nicht wegen der Arbeit, sondern weil ich die bezaubernde Christina wiedersehe - wie so kleine Dinge eine ganze Arbeitswoche gut aussehen lassen ist wunderbar, oder?

Geschichte des Snowboardens in 2 Minuten


In den Ohren

Ich hab mich in dir verlaufen,
wollte unverfroren
deine Haare zerraufen.
Hab den Halt verloren,
jetzt lieg ich dir in den Ohren

aus Wir Sind Helden - "Labyrinth"

Langer Wegbegleiter

LG 8138 2

Mein Handy ist kaputt. Also jetzt nicht ganz funktionsunfähig, sondern nur eingeschränkt. Nach 10 Minuten verliert das Handy jeglichen Netzkontakt, und dann kann ich es wiederholt aus- und einschalten, bis es wieder funktioniert.
Nun, das Handy habe ich seit Februar 2005 - und seitdem ist das Handy unzählige Male heruntergefallen, einmal befand es sich in einem Zementsilo und einmal nahm es die Straßenbahn in Graz mit.
Wundert es, dass es kaputt ist? Nein. Nur haben bei mir früher alle Yuppie-Lutscher nur 8 bis 10 Monate gehalten, weswegen mir jetzt die bedenken kommen, dass ich mit einem neuen Handy die selben Erfahrungen haben werde. Schauen wir einmal

tribeka, Wien und die Helden


Lassen wir den Dienstag noch einmal Revue passieren: Ich stand voller Freude und immer noch mit Husten auf. Spätvormittags eine Vorlesung und dann tribeka - wo ich ein mehr als seltsames und unterhaltsames Buch las. In dem Moment war mir egal, was die um mich sitzenden Leute wohl gedacht haben, als ich lachend und kichernd auf meinem Stuhl herumrutschte und meinen Tee mit Milch trank.
Um 16:00 war ich auf einem Habilitationsvortrag, zu dem ich leider meine Brille vergessen hatte. Ich verstand zwar seinen Vortrag, konnte der PowerPoint Präsentation genau gar nicht folgen - und seine eingebauten witzigen Fotos verstand ich auch nicht, ich konnte ja nichts erkennen. Bei der folgenden Feier drängte mich der Universitätsprofessor in spe dazu, von seiner exquisiten Weinauswahl zu kosten - wobei sich aber herausstellte, dass von den Weinen für mich keiner neu war - ich kenne all die Winzer persönlich.
Gegen 18:00 machte ich mich dann auf den Weg Christina abzuholen, für das Konzert der Wir sind Helden in Graz; doch es kam wie ich schon schrieb: Wegen Krankheit abgesagt. So gingen wir in ein Cafe, tranken kurz einen Tee und gute 3 Stunden später brachte ich sie heim. Und war immer noch grantig auf die Helden.

Eintrittskarte zum Helden-Konzert

Mittwoch sollte anstrengend werden. Zu spät aufgestanden, erste Vorlesung um 8:15, Rückgabe der Konzertkarten von gestern, Auto in die parkscheinfreie Zone stellen, Vorlesung auf einer anderen Uni - und dann: das Helden-Konzert in Wien war noch nicht abgesagt worden und ich kaufte zwei Karten für Wien.
Was ich auch immer über das Konzert an sich sagen könnte, ist irrelevant - ob die Helden einen Narren an Reinhard Fendrich gefressen haben, oder ob sie Christina Stürmer, die neben uns stand, verärgerten, ob sie zwei Zugaben und doch nicht Die Nacht spielten. Alles irrelevant.
Wichtig bleibt nur, dass ich gestern auf einem wirklich guten Konzert war, doch nicht allein, sondern mit der wundervollen Christina in meinen Armen.

Streifen des Grazer Stadtparks

Grazer Stadtpark in Streifen #2 Grazer Stadtpark in Streifen #1 Grazer Stadtpark in Streifen #3

So ein Pech

Ich wollte gestern mit der bezaubernden Christina zu einem Konzert gehen, dass aber abgesagt wurde. Und ich habe mich geärgert, bis zu geht nicht mehr. Verdammt. Heute wird aber in Wien gespielt, mal sehen ob das auch abgesagt wurde oder nicht. Wenn nicht, werde ich mich einfach nach Wien aufmachen... mit ihr.

MP3-Tipp: Maximo Park - "Books From Boxes"



Es ist kalt und der Wind pfeift mir ins Gesicht, und obwohl das derzeitige Wetter keinen Grund gibt, schlendere ich grundzufrieden durch die Stadt und nichts macht mich fertig. Das Lied ist so angenehm, umbedingt anhören.

MP3: Maximo Park - "Books From Boxes"

(via Central Village)

Risiken

Ich hatte gerade meine zweite Vorlesung beendet und wollte zum Zug um nach Hause zu fahren und meinen Husten auskurieren. Doch dann rief Vera mich an. Es gäbe Probleme und ich solle vorbeikommen, und obwohl ich ein wenige Distanz brauche, sagte ich, ich wäre gleich bei ihr.
Sie sagte, eine sehr gute Freundin habe einen Fehler gemacht und würde mit ihm (Fehler und ein Er) nicht so recht klarkommen. Also eigentlich gar nicht, denn sie sprach auch Beschuldigungen gegenüber Dritten aus.
Sie fragte mich, ob sie auf Abstand gehen oder sich bis zu den Problemen ihrer Freundin durchkämpfen sollte. Denn sie ist, obwohl auf die Freundin böse ist, irgendwo auch um sie besorgt. Ich hörte ihr lange zu und versuchte ein wenig zu sagen - gerade genug, um sie auf ein paar Ansätze zur Lösung dieses Konfliktes beitragen zu können, ohne sich wirklich besserwisserisch einzumischen.
Das Gespräch machte sich dann selbstständig und irgendwie landeten wir dann bei dem Thema, dass ich mit ihr eben vor einigen Wochen beredet hatte: Uns. Ich ihr sagte ihr, was ich für sie empfunden hatte und in gewisser Weise immer noch empfinde, und sie meinte, sie hätte es registriert, aber nicht wie weit es für mich gehen würde.
Wir redeten dann darüber, was für sie oder mich in Beziehungen wichtig sei und was dafür auch geopfert werden könne - und ich sah, dass sie für eine Beziehung nicht bereit wäre, etwas anderes aufzugeben. Und auch, dass in der Befürchtung, es könnte ein Ende geben, sie es niemals zu einem Anfang kommen lassen würde.
Vielleicht war es auch besser so, dass daraus nichts entstanden ist, denn ich merkte erst heute, wo ihre Prioritäten liegen. Ich habe mehr als ein Jahr gebraucht um zu erkennen, dass das wahre Übel nicht darin liegt, sich in die Gefahr zu begeben verletzt zu werden, sondern vielmehr darin einfach gar nichts zu riskieren. Ich bin trotzdem ein wenig verstört, aber grundsätzlich froh darüber, dass ich mich nach mehr als einem Jahr endlich wieder aus mir heraus getraut und etwas riskiert habe.

Zurück im tribeka

Zurück im tribeka

Ich hatte ja geschrieben, dass mir das tribeka eigentlich nicht so sehr gefällt. Trotzdem war ich heute wieder dort, einfach deswegen weil es gemütlich ist und zwischendurch allein ein Tee mit Milch und eine Zeitung einfach Balsam für die Seele sind. Und es ist ein Nichtrauchercafé.
Heute ging ich um 8:00 in das kleinere tribeka in der Technikerstraße. Die Kellnerin, die anscheinend einen Muffin aß, entschuldigte sich gleich bei mir, denn sie fragte mich noch mit vollem Mund ob ich den Tee für hier oder "to go" haben wollte. Nachdem sie noch etwas verschlafen aussah und sich ihr Frühstück anscheinend auf diesen Muffin beschränkte konnte man ihr nicht böse sein.
Ich saß da, und während ich den Standart las, konnte ich beobachten, wie sich das Cafe langsam aber sicher zu einem Viertel füllte. Es war noch immer eine Morgenstimmung zu spüren, denn es war weder voll noch unterhielten sich die Leute lautstark, es war vielmehr das ruhige Gefühl langsam in die neue Arbeitswoche hinein zu gleiten.
Gegenüber am anderen Ende des Raumes saß ein junges Paar, dass obwohl beide nur ihre Augen in den Zeitungen verloren hatten, immer wieder kurz aufblickten, einen Schluck Kaffee nahmen, sich anlächelten und weiter die Zeitung studierten. Dieses Ritual mutete seltsam an, aber wirkte mehr als nur vertraut.
Einige Minuten nachdem ich mich hingesetzt hatte, kam ein älterer Herr, 60 und sportlich in das Kaffee und setzte sich zwei Tische links neben mich. Er las auch Zeitung, und nach etwa 15 Minuten tauchte eine Dame gleichen Alters auf, die sich an den Tische zwischen ihm und mir setzte. Die beiden fingen an zu reden und hätte ich meine Brille abgesetzt - ich hätte gedacht, dass dort zwei Jugendlich miteinander flirten.
Etwas weiter vorne saßen zwei (schätzungsweise Architektur-)Studenten, die wie das junge Paar in Zeitungen vertieft waren, sich es aber nicht nehmen ließen ohne Augenkontakt eine Diskussion zu führen. Beiderseitig konzentriert - sowohl auf Zeitung als auch auf Diskussion.
Ich für meinen Teil entspannte mich, plante meinen Tag und ließ einfach nur den Tag ruhig beginnen.

Das Lächeln einer Unbekannten

Manche Dinge geschehen so unerwartet und sind eigentlich so folgenlos, dass sie unwichtig erscheinen. Und trotzdem erfreut man sich daran.
Als ich am Freitag mit dem Zug zur Geburtstagsfeier nach Graz fuhr saß ich im Bahnhof, denn inzwischen war es doch schon kalt geworden, und sah einer Vertreterin des schöneren Geschlechts zu wie sie am Fahrkartenautomat eine Karte kaufte und sich danach schnell aufs stille Örtchen verzog. Mir fiel etwas auf, was ihr entgangen war - sie hatte ihr Wechselgeld vergessen. Ich nahm das Wechselgeld an mich und wartete darauf, es ihr zurückgeben zu können. Mein Zug kam, doch von ihr war nichts zu sehen. Ich wartete kurz, sie kam zurück und ich gab ihr das Wechselgeld zurück und protze mit meiner Eloquenz. "Wechselgeld - im Automaten vergessen".
Ich kann stundenlang reden und trotzdem fällt mir manchmal nichts ein. Ich stieg in meinen Zug, sie wartete auf dem Bahnsteig und so konnte ich sie noch kurz beobachten. Mein Zug fuhr los und gerade in dem Moment, wo sie dabei war aus meinem Blickfeld zu verschwinden winkte sie kurz und warf mir einen Kuss durch die Luft zu.
Es ist eigentlich null und nichtig, es verändert nicht mein Leben und ich gewinne dadurch auch nicht an Ausstrahlung. Trotzdem habe ich darüber lächeln müssen und irgendwie fühlte ich mich zufrieden. Und es beruhigt Selbstzweifel, die wir doch alle haben.

Video-Tipp: Wir Sind Helden - "Wenn Es Passiert" (Unplugged @ FM4)


Geburtstagsfeier etwas anders

Ich bin gestern nun doch zur Geburtstagsfeier gefahren und wenn ich es mir recht überlege hätte mich nichts in der Welt davon abbringen können. Also, lassen wir den Abend Revue passieren.
Ich fahren mit dem Zug wieder nach Graz hinein und kann mir von fünf oder sechs Jugendlichen peinlichen Party- und Saufgeschichten in peinlichster Ausdrucksweise anhören - ich wollte zum Fortgehen nicht meinen MP3-Player mitschleppen. Werde ich aber in Zukunft sicher machen.
Hinter mir saßen zwei Schülerinnen, die auch vorhatten, in Graz fortzugehen und sich mit einer Flasche Vodka im Zug darauf einstellen. Alles Dinge, die einem klar machen, dass es wirklich Komatrinker gibt - ich könnte mich nicht erinnern, in dem Alter im Zug Vodka pur getrunken zu haben.
Bei der Geburtstagsfeier war ich natürlich der letzte, der eintrudelte; was mir aber nicht so Unrecht ist. Schließlich kann man damit immer einen guten Auftritt hinlegen. Ich hatte mir sogar 3 Beutel Kamillentee mitgenommen, da ich erst einmal etwas gegen meinen Husten tun wollte. Während nun alle schon Mischung oder Bier tranken, genoss ich meinen Tee, und stieg später zu Sturm um. Zu meiner Überraschung traf später eine ehemalige Schulkollegin auf der Feier ein, die von der Wohungskollegin von Gabi (der Geburtstagsprinzessin) eingeladen worden war. Frau S. studiert mit der Wohungskollegin zusammen Jus und war während meiner Schulzeit 4 Jahre lang in meine Parallelklasse ging - seltsam, wie sich so die Kreise schließen.
Ich saß mit ihr eine gute Stunde in der Küche und redete über alte Schulkollegen, dass ich keinen Kontakt mehr zu jenen habe und es mir in einigen Fällen sogar mehr als Recht sei. Die Party plätscherte so dahin, ich redete einigen Blödsinn und irgendwann brachen wir auf, da Gabi auf dem Klo hing.
Typisch Frau. Heute sagte sie mir, es wäre der Sekt gewesen und obwohl sie wisse, dass sie Sekt nicht vertrage, hatte sie Sekt getrunken. Leider war ihr Pech aber auch, dass sie nichts gegessen hatte, aber immerhin hatte sie einen großen Kochtopf mit Gulasch für alle Partygäste gemacht. Trotz besseren Wissens Sekt zu trinken und dann noch nichts zu essen, obwohl genügend da wäre ist mehr als nur unglücklicher Zufall.
Es gab dann ein paar Getränke im "Propeller" und dort fing ich an mit Heike zu reden, einer netten Freundin von Gabi. Etwas übertrieben, aber immerhin teilt sie meine Leidenschaft für Scrubs. Auch hörte sie mir relativ aufmerksam zu, als ich einmal zu zwei anderen Partygästen von Snowboardtouren und Lawinen sprach. Als die Bar schloss verzogen wir uns in "Flenn O'Brian", einem kultigen Irish Pub, wo es sogar richtiges Newcastle Brown Ale gibt.
Seit dem Zeitpunkt im Propeller, an dem wir anfingen uns zu unterhalten, waren zwei oder drei Stunden vergangen. Aber es kam wie es kommen musste und irgendwie war das wahrscheinlich eine der besten Möglichkeiten, wie es enden konnte. Ein anderer Partygast sagte mir, dass sie einen Freund habe - und anscheinend war dass auch wahr.
Nachdem ich niemand bin, der sich in die Beziehungen anderer Leute einmischt und es mich Bettsport mit einer, die in einer Beziehung ist, zu betreiben, trank ich noch zwei Bier und ging schlafen. Allein.

Streifen aus Geidorf (Graz)

Graz in Streifen #1 Geidorf in Streifen #2 Geidorf in Streifen #3

Feier oder nicht Feier?

Ich bin heute zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, zwei Bekannte von der Uni feiern. Eine davon ist jene, die bei Ancona auf meinem Road-Trip besuchte. Ich würde gerne hingehen - oder besser gesagt: Ich werde hingehen. Nur weiss ich nicht, ob das die beste Idee ist, denn ich bekomme derzeit alle 3 Minuten Hustenanfälle und muss mir durchgehend die Nase putzen. Gesund bin ich nun doch nicht...

tribeka

Tee mit Milch im tribeka

Es ist ein typisches Lokal für Graz. Also für die Studentenstadt Graz: das tribeka. Eines dieser typischen gestylten Coffeeshops, nach amerikanischem Vorbild. Nicht, dass ich jetzt etwas dagegen hätte, denn ich kann mich mit gratis W-LAN anfreunden, und der Kaffee, Tee und die anderen Sachen sind auch nicht von schlechten Eltern. Aber es sind so Kleinigkeiten: Es gibt Bagles, und diese Abart eines Getreideproduktes ist ja grundauf scheußlich. Stattdessen wäre mir ein Ciabatta mit Mozzarella und Tomaten ja viel lieber.
Genauso finde ich es seltsam, dass so wenige junge, urbane Erfolgstypen (wie sich insbesonders die BWL-Studenten gern geben) richtige Kaffee trinken - also einen Espresso oder einen Verlängerten. Stattdessen gibt es einen doppelten Latte Macchiato mit fettarmer Milch, Karamelsirup und Zimtpuder. Was bleibt da vom Kaffeegeschmack denn bitte noch übrig - das ist kein Kaffee, sondern ein Getränk, mit dem man die Rest vom Weinachtsgebäck los wird.

Ich habe mich heute zum Mittag aber wiedereinmal dorthin begeben, denn leider verpasste ich wiedereinmal meinen Zug und konnte eine gute Stunde warten. Toll.
Glücklich mit meinem schwarzen Tee mit Milch saß ich im ersten Stock, an einem dieser miniaturisierten Kaffeetische und las Zeitung - immer aufpassend, dass ich nicht meine Teetasse vom Tisch stieß. Und was soll ich sagen: Es war richtig erheiternd die Menschen um mich herum zu beobachten.
Links neben mir saß ein Rockabilly, etwa Anfang 20, der sich mit der Kleinen Zeitung auf Wohnungssuche machte. Es schien, dass das seine erste Suche war, denn er stellte sich mehr als dämlich an. Wenn ich bei einem Vermieter nach einer Wohnung fragen würde wären meine ersten Fragen niemals "Kann man in der Wohnung auch laute Parties feiern?" oder "Ist der Boden leicht zu säubern?".
Rechts vor mir saßen zwei Mädchen, schätzungsweise im letzten Jahr ihrer Schulkarriere oder im ersten ihrer Studienphase. Ein paar Ohrhörer teilend mit zwei Kaffee-Abartigkeiten saßen sie vor einem neuen Laptop und sahen sich Filme auf YouTube an. Störte eigentlich nicht, denn sie hörten ja über Kopfhörer - dafür vergaßen sie ihre Lautstärke und lachten, dass sich jedesmal das gesamte Lokal zu ihnen umdrehte. Ob sie jetzt andere, männliche Jungstudenten auf sich aufmerksam machen wollten, ob sie für eine Konzertkreischerei übten oder einfach nur die Anwesenden auf ihren neuen Laptop aufmerksam machen wollten blieb mir verschlossen. Absonderlich war das Gespann trotzdem.
Dafür gab es links gegenüber eine Gruppe aus 6 Mädchen, die (wie ich hören konnte) allesamt Erstsemestrige waren. Zwei studierten BWL, und waren auch die Prototypen jener Studentinnenart: Modisch akzentuiert gekleidet, samt passenden Accessoires. Eine hatte sogar den Luxus einer Louis-Vuitton-Taschen, aber ich verwette meine drei Vornamen darauf, dass es eine am Strand erworbene "echte" Version ist. Daneben saß Soziologie (Mädchen mit Arafat-Halstuch), Jus (edel, aber unauffällig gekleidetes Mädchen), Medizin (BWL-Studentin in Basis-Version) und eine, die ich nicht zuordnen konnte. Könnte Psychologie gewesen sein, denn sie sprach einer der BWL-Studentinnen, die sich beschwerte innerhalb von 2 Wochen 35 Seiten lernen zu müssen, beruhigend zu.
Das ist etwas was ich liebe, Studiengänge anhand des Aussehens zu erraten. Gut Stereotypen sind nicht wirklich vorteilhaft im Leben, aber von irgendwem kommen die auch her. Zum Beispiel erkennt man auf der Technischen Universität die Architekten: Ausschließlich Umhängetaschen und avantgardistischer Kleidungsstil. Und es gilt die Grundregel, je bleicher jemand ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Informatikstudenten vor sich hat - der sich an regelmäßigen Dates mit Heidi Klum auf seinem Bildschirmschoner freut.
Ja, ich halte mich gerne an Sterotypen. Es ist nicht schlimm, dass es sie gibt - es ist viel schlimmer, dass sie viel zu oft passen. Und viele, viele Leute zu auswechselbaren Kleidungsfüllungen machen.
Wüsste dafür aber gerne für was mich die anderen Leute halten. Geschichte? Pädagogik? Theologie?

Übrigens: 2,40 Euro für einen schwarzen Tee ist am oberen Limit. So gut war der Tee auch nicht.

Mädchen in der Klasse

Ein 11 Jahre alter Bursche, in Hemd und Burlington-Pullover steht am Bahnsteig und telefoniert (wahrscheinlich) mit seiner Mutter.

"Wir haben jetzt 23 Mädchen in der Klasse, aber nur 4 Buben."
[Antwort übers Telefon]
"Ja, weil die Mädchen alle stinken und nicht so schön sind wie du."

Entweder der Junge wird möglichst bald erwachsen und kommt in einen Mutter-Abnabelungsprozess oder er wird Friseur. Oder Geliebter von Wolfgang Joop."

Gegenüber, ein Sitz

Der Sitz gegenüber

Road-Trip #4

Es war nun Donnerstag, der 7. September. Wie wachten auf, hinten im lang gezogenen Kofferraum meines Kombis mit schmerzenden Hüften, denn da wir so schnell von unserem Heimatort aufgebrochen waren, vergaßen wir natürlich auf Liegematten und so lagen wir und die Knochen wund. Nein, nicht wund - aber zumindest schmerzend.
Chemo fuhr nun wieder einmal, während ich neben ihm saß und aufmerksam die Karte studierte, auf der eine schön gerade Schnellstraße eingezeichnet war. Leider aber unter der Kategorie "Im Bau". Wir brauchten Stunden um durch dieses 3-Regionen-Eck der Toskana, Umbrien und Marche zu kommen, denn vor uns krebsten uralte 2-Zylinder FIAT-LKWs herum, die dem Aussehen nach vor dem Zusammenbrechen waren.
Wir fuhren nun, immer weiter - immer weiter. Wir kamen an San Pellegrino vorbei und nahmen dann irgendwann die Straße vor Ancona nach Süden, denn wir waren unserem Ziel nahe: Camerano. Chemo hatte dazwischen die tolle Idee, als wir uns auf einer Schnellstraße befanden, abzufahren; Begründung für die Wahnsinnsaktion war: "Da oben auf einer Brücke habe ich ein Schild nach Camerano gesehen".
Natürlich fanden wir beim Abfahren nicht auf diese Brücke, sondern auf irgendwelche kaputten Straßen auf Vororten von Ancona. Mit Hilfe der Sonne konnten wir uns wieder zur Schnellstraße zurückorientieren und was für ein Wunder - das Schild, wegen dem wir abgefahren waren, zeigte nach Camerano. Einfach der Schnellstraße, auf der wir uns befanden, entlang.
In Camerano kamen wir an und trafen Gabi, eine Bekannte aus dem Studienjahr von Chemo, die in diesem kleinen, verschlafenen Örtchen einen Italienisch-Sprachkurs absolvierte. Sie war mehr als überrascht uns zu sehen, denn auch wenn sie es bis zum Schluss nicht zugeben wollte, glaubte sie uns erst, dass wir sie besuchen kommen würden, als wir am Ende vor ihr standen. Dafür kam sie uns mit zwei Überraschungen entgegen: Mit der ersten rechneten wir eigentlich schon - dass wir, nach 4 Tagen Duschen am Strand, 4 Tagen Zähneputzen aus Mineralwasserflaschen und 4 Tagen Minimalhygiene, ihr Bad benutzen durften, um uns richtig zu duschen und zu rasieren. Mich störte es zu dem Zeitpunkt schon gewaltig, mich so lange nicht rasiert zu haben.
Das wesentlich bessere war, dass es in ihrem Miniappartement noch ein Bett gab, und so konnten wir nach 4 Nächten im Auto endlich wieder auf einer weichen, horizontalen Matte schlafen. Manchmal denke ich mir, sie hätte der Himmel geschickt - zumindest war mir in dem Moment so zumute.
Es war nun kurz nach 14 Uhr und so fuhren wir an ein Strandbad, das verlassener war, als es irgendwie hätte sein können. Dafür aber schön, Kalkstrand - mit weißer Hose, weißem Handtuch und weißer Haut. Ich badete an diesem Tag nicht, denn Chemo vergaß seine Badeshorts natürlich im Appartement nach und ich gab ihm meine. Dafür pennte ich wiedermal angenehm am Strand und unterhielt mich genauso angenehm mit Gabi.
Es ging dann irgendwann zurück - umziehen und in das Stadtzentrum. Es gab nämlich das Rotweinfest, mit genau einer Weinsorte: "Rosso Conero". Wie in schlechten, italienischen Kitschfesten war dieses Fest, Fahnen waren über den Hauptplatz gespannt, es standen lange Biertische herum, es wurde geredet, getrunken und gelacht (was auf italienisch irgendwie besser rüberkommt) und es war einfach nur eine ausgelassene Stimmung.
Dort trafen wir auf diverse "Mitschüler" von Gabi, unter anderem einem alten Ehepaar, bei dem sich Chemo einen kleinen Fauxpas erlaubte. Auch stellte sie uns zwei Mädls vor, eine aus München und eine aus Hamburg. Keine Ahnung, wie die Münchenerin hieß, aber sie war fesch - das weiss ich noch. Und natürlich Mario, der Italienischlehrer, der eine Frau aus Kärnten hat und Deutsch studiert hatte.
Durch ihn lernten wir im Laufe des Abends alle möglichen Leute kennen: Vittorio, der uns T-Shirts günstig verkaufte, den Bürgermeister, den Vize-Bürgermeister, der Weinbauerndirektor der Region, der Chef der Carabineri und wer weiss ich noch. Der Abend verging, man unterhielt sich und irgendwann saß ich mit Gabi an einem der Biertische, wir tranken den letzten Wein und Chemo legte inzwischen mit den Italienern zusammen die Biertische zusammen. Keine Ahnung warum, ich glaube ihm war einfach nur langweilig geworden. Gute Ablenkung.
Der Tag endete damit, dass Gabi, Chemo und ich in das Appartement zurückwackelten und uns daran erfreuten, dass wir nicht im Auto schlafen mussten.

Bisheriger Reiseverlauf: Montag - Dienstag - Mittwoch - Donnerstag

Begrenzung

Meine seltsamen Fähigkeiten sind doch begrenzt, jetzt habe ich nicht einmal das hinbekommen. Die Beziehung der Beiden ist wieder zu Ende, diesmal scheinen sie aber nicht so deprimiert. Vielleicht haben ja beide gehofft, dass es anders werden würde, aber zum Schluss doch gesehen, dass der Lauf der Zeit es einfach nicht gut mit ihnen meint.

Die Zukunft des Schalls

Habe ich sowohl bei Franzi als auch bei Jeriko gefunden - einen zynischen Text über die Zukunft der Musik und der Musikindustrie, und wie schlimm es werden könnte. Und auch wenn man darüber lacht, irgendwie sind da schon wahre Punkte dran.

Angenehme Überraschungen

Das Wochenende hatte es in sich, wobei das Wochenende ja nur eine Fortsetzung einer doch etwas sehr verrückten Woche war. Es fing damit an, dass ich am Montag, durch das letzte Wochenende, meinen Tagesrythmus verloren hatte und mich fühlte als sei ich gerade von Kuala Lumpur angereist. Dazu kam noch, dass ich mich bei jemandem getäuscht, beziehungsweise etwas falsch verstanden hatte.
Der Montag war von Müdigkeit geprägt und am Dienstag erfuhr ich, dass es eine meiner drei letzten Pflichtprüfungen nur noch schriftlich zu absolvieren seien - und der nächste Termin sei am Donnerstag. Mir blieben so noch 48 Stunden um eine komplette Pflichtvorlesung zu lernen, exklusive Zeit um zur Uni zu fahren, Vorlesungen zu besuchen und - auch wenn es unnötig erscheint - zu schlafen.
Am Mittwoch machte ich einen Fehler, ich war bei ihr. Sie kochte nämlich für mich, inklusive Vor- und Nachspeise. Was mich doch dann etwas verwirrte, denn sie will ja nichts von mir und mir in meiner Situation, da ich meine Wünsche zurückstecke und doch nicht den Kontakt abbrechen will, genau gar nicht hilft.
Donnerstag Nachmittag schrieb ich die Prüfung und fasste mir ein Herz: Ich meldete mich bei einer Person, die mich anscheinend kannte: Christina. Sie hatte mir im Sommer angefangen zu schreiben und wie sich herausstellte war sie bis zu meinem fünften und ihrem zweiten Lebensjahr meine Nachbarin - zumindest war ihr das bewusst, mir natürlich nicht. Mit 5 Jahren war mein Faible für das schönere Geschlecht noch nicht stark ausgeprägt.
Naja, am Donnerstag brachte ich der Freundin von Chemo Analytische Chemie bei, da er darin eher schwächelt und verzog mich dann auf das TU-Fest, was sich als ein stinkfader Erstsemstrigen-Treff herausstellte. Zuhause trank ich noch Bier mit meinem Bruder und meiner Mutter und stand dementsprechend übermüdet am nächsten Morgen auf.
Am Freitag brachte ich die Analytik-Lehrstunden zu ihrem (erfolgreichen) Ende, schlief in einer Radiochemie-Vorlesung fast ein und nach einem Abstecher nach Hause und zurück traf ich mich endlich mit Christina. Wir saßen 5 Stunden in dem Cafe, ich trank schwarzen Tee mit Milch (wie immer) und sie erzählte mir von ihren Reisen, ersten Studienerfahrungen und von Freunden, die wir uns unwissend voneinander teilten. Diese Frau hat mich fasziniert, und das beileibe nicht nur, weil sie aussieht, als würde sie Werbung für das schönere Geschlecht laufen.
Nun, sie musste weiter, da sie einen Kurzurlaub vor sich hatte, ich ging zu einer Wohnungseinweihungsfeier, von der mich meiner Bruder rettete.
Der Samstag wurde lang geschlafen und danach versuchte ich mir selber die Haare zu schneiden, was eigentlich relativ gut akzeptabel funktionierte. Dann ging es zur Aufbauarbeit eines Nachwuchs-Rockkonzert, darauf zum Schreiberposten zweier Ligaspiele unseres Herrenvolleyballteams und später zurück zum Konzert hinter die Bar.
Dort fühlte ich mich bis 21:30 alt, weil ich bis zu jenem Zeitpunkt 50% meiner Kunden sagen musste, dass sie zu jung für alkoholische Getränke seien. Oder, weil sie von Diskonter-Bier schon so betrunken ankamen, dass ich ihnen keinen Alkohol mehr verkaufen wollte. Manche mögen nun sagen, ich sei hartherzig - und ja, das bin ich. Ich bin in diesem Falle zu betrunkenen 15-Jährigen hartherzig. Aber wen juckt denn das bittesehr?
Arbeiten durfte ich mit einer Weltklasse-Frau, mit der ich immer soviel Stumpfsinn reden kann, dass ich nicht nur einmal am Abend gefragt wurde, ob wir beide denn betrunken seien. Ich traf einige alte bekannte Gesichter, wurde zu einer Party in einer Biker-Bar eingeladen, labte mich an Gratis-Heineken und ließ den Abend dann im Cesa ausklingen.

Was doch nicht so alles in einer Woche passieren kann: Man kann sie mit einem verschobenen Tagesrythmus und einer Frau im Hinterkopf beginnen, eine Prüfung schreiben, jemanden kennenlernen, der einem die Sprache verschlägt und das Wochenende durchfeiern - mit der Gewissheit, dass man am Wochenende nichts arbeiten, dafür sich aber seines Lebens freuen kann.

Streifen aus dem Zug

Zug in Streifen #3 Zug in Streifen #1 Zug in Streifen #2

Video-Tipp: Snow Patrol - "Chasing Cars"


Seltsame Fähigkeiten

Ich denke mir, dass ich doch hin und wieder seltsame Fähigkeiten habe. Und damit meine ich jetzt nicht, dass ich nicht fähig bin deutsche Texte zu lesen während ich englischer Musik zuhöre. Sondern vielmehr Fähigkeiten, die sich auf emotionale Dinge beziehen.
Bevor ich nach Amerika ging, haben zwei Bekannte, die mir viel bedeuten, ihre doch jetzt mehr als dreijährige Beziehung beendet. Er hat 12 Kilo abgenommen und war lethargisch wie kein anderer Mensch, den ich je kannte. Ihr ging es nicht besser, machte sich Vorwürfe und war emotional genauso mitgenommen.
Vor zwei Wochenenden traf ich sie beim Fortgehen in meinem Stammlokal, und ich redete mit ihr. Über dies und das, auch über sie, die mir derzeit zusetzt. Ich erzählte ihr viel, was ich mir vorstelle, was ich schätze, von was ich träume. Ich weiss eigentlich nicht mehr genau, was ich alles erzählte; sicher kann ich davon sein, dass ich von meinen gescheiterten Beziehungen sprach und was ich von diesen lernte und bis heute mit mir herumtrage, so sehr manche Dinge auch immer noch schmerzen mögen. Es gab - glaube ich - selten Momente, in denen ich solche Dinge sagte, so ehrlich und schutzlos.
Nur, was hatte ich denn davon?
Die Beiden sind wieder zusammen, und es ist schön die Beiden so vertraut und auch so glücklich sehen zu können. Bei mir nahm es in den letzten beiden Wochen keine positive Wendung, und schon gar nicht in all dem was sie betrifft.
Es wirkt paradox, dass ich fähig bin, die Beziehungen anderer Leute (vorerst) zu kitten, aber mich selbst im Kreis drehe und glaube mitten in einer Dornenhecke zu sitzen.

Streifen der alten Technik

Alte Technik in Streifen

If I Lay Here

If I lay here,
if I just lay here;
would you lie with me
and just forget the world?

aus: Snow Patrol - "Chasing Cars"

Zum Tee

Es gibt Dinge, die sollte man nicht aussprechen, auch wenn sie stimmen. Jetzt nicht, weil es eine verschrobene Meinung ist oder weil es andere Menschen vor den Kopf stossen könnte - nein, es geht um Dinge, die wahr sind und doch unglaublich obszön klingen.
Ich sitze in eine Cafe und trinke, weil ich noch einiges vorhabe, einen schwarzen Tee mit Milch. Mache ich ja oft, ist auch nichts neues. Dazu gibt es ja immer diese mit Schokolade umhüllten Mandeln. Sind ja auch gut. Diese kleinen Mandeln in diesen kleinen Verpackungen. Ich mache also die Packung auf und siehe da: Ich habe zwei Mandeln.
Aber warum habe ich bloss ohne nachzudenken gesagt, was ich mir in diesem Moment gedacht habe.

"He, schaut her: Ich habe zwei Nüsse."

Zum Glück nimmt man das ja heutzutage nicht mehr so verstockt auf, ich bekam nur von meinem Gegenüber zu hören: "Du, du hast einen Bart. War schon längst an der Zeit, dass du in die Pubertät kommst und dir zwei Eier wachsen."

Streifen aus Leibnitz

Bahnhof in Streifen #3 Leibnitz in Streifen #2 Leibnitz in Streifen #1

Los Gehts

Da fängt das ganze nun schneller an als gedacht. Eine Vorlesungsprüfung, die bis jetzt immer mündlich abzulegen war, wurde nun dank der Studienplanumstellung auf schriftlich geändert. Und der übernächste Termin ist erst im Januar - viel zu spät. Der nächste aber am Donnerstag Nachmittag, was jetzt bedeutet, dass mir 30 Stunden bleiben, um chemische und technologische Aspekte von Eisen, Stahl und Buntmetallen in den Kopf zu stopfen. Mal sehen wie erfolgreich das ausgehen wird.

Streifen vom Grazer Bahnhof

Bahnhof in Streifen #2 Bahnhof in Streifen #1

Mehr als gedacht

Irgendwie macht mir das mehr Gedanken, als ich zuerst gedacht hatte. Ich saß doch seit 17:00 vor dem Fernseher und lies mir so einiges durch den Kopf gehen. Mal sehen was die nächsten Tage bringen.

Wie Perlen

"Frauen sind wie Perlen: Sie sind mit Fassung zu tragen."
Ein Freund

Video-Tipp: Zucchero - "Baila Morena"

Früher, schon länger her, konnte ich mir kein italienisches Lied anhören. Irgendwie war das nichts für mich. Aber inzwischen bin ich auf den Geschmack gekommen. Eines meiner liebsten italienischen Stücke ist dieses hier.


2 Tage Unterwegs

Auch wenn mir dieses Wochenende etwas widerfahren ist, auf das ich gerne verzichten würde, war es doch ein Spass. Am Freitag Abend mit einer Pokerrunde ein bisschen durch die dunklen Gassen gezogen und am Samstag eher unerwartet ein paar alte Gesichter getroffen und ebenso die Nacht zum Tage gemacht.

Sitzend im Habana Pokerchips Puntigamer Dinge aus meinen Taschen Der Pokertisch Geld Aschenbecher deli

Was will ich?

Es hat wohl lange gedauert, aber ich denke mir gerade: Was will ich eigentlich? Ich habe mich vor meinem Forschungsprojekt dieses Sommers in Amerika öfters mit jemandem getroffen. Und mich irgendwie auch in ihr verloren. Es hat etwas gedauert, das zu akzeptieren, denn nach meiner letzten Beziehung hatte ich in gewisser Weise Angst jemanden wieder so nahe kommen zu lassen, aber schlussendlich sah ich es das Richtige an.
Ich habe sie heute mit anderen beim Fortgehen getroffen. Und wir sprachen über vieles. Und alles. Und über noch viel mehr. Später aber, als wir nur uns alleine unterhalten konnten sprachen wir über uns. Und das was war, was ist und was auch hätte sein können.
Sie sagte nur, dass sie mir nicht so nahe stehe wie ich ihr. Und irgendwie habe ich in dieser Situation die Fassung bewahrt und gesagt, dass ich es verstehen könne und ich mit dem, das derzeit vorherrsche, glücklich wäre. Könnte ich es ändern oder nicht.

Kann man denn das Richtige sagen und sich falsch fühlen? Kann man das Falsche sagen und sich trotzdem verloren fühlen? Ja, ich kann mit Gewissheit sagen, dass das möglich ist. Es trägt sich derzeit nicht so schwer, denn ich habe es seit sehr langer Zeit geschafft, meine Gefühle jemand anderem zu erzählen.
Und trotzdem nagt es an mir. War es denn wirklich die richtige Entscheidung?

Buch-Kritik: "Uni-Lust"



Info

Titel: Uni Lust
Autor: Diverse Autoren
Genre: Essay-Sammlung
Verlag: AUDIMAX Verlag GmbH
Veröffentlichung: August 2003
ISBN-Nr: 3980897109 bzw. 978-3980897105
Seiten: 182


Meinung

Dieses Buch ist wohl eines der Bücher, von denen ich mir nie gedacht hätte, dass ich sie mir kaufen würde. Wäre da nicht ein besonderer Grund.
Es ist jetzt schon länger her, da ließ mich meine bessere Hälfte allein stehen. Und zwar wirklich allein. Ich konnte zum Glück auf einen guten Freund zurückgreifen, Chemo, der mir durch diese Zeit durchhalf, egal wie bekümmert ich in Ecken hockte oder egal wie stark der Rausch war. Ganz ist es zwar bis heute nicht vorbei, doch lernt man mit solchen Narben zu leben. Sie verändern einen, man wächst mit und erkennt, dass es das wert war.

Nun, sie las in der Zeit, in der wir zusammen waren, genau dieses Buch. Und sagte mir oft, wie schön doch diese Geschichten sein. Voller Ernsthaftigkeit und Trauer, voller Leid und doch mit soviel Leben. Nun, es stimmt. Die Essays in diesem Buch sind etwa 4 bis 6 Seiten lang, in denen diverse Studenten von gescheiterten Beziehungen erzählen. Oder wie man sich aus solchen Situationen rettet. Allein das hätte mich stutzig machen sollen, dass sie in einer Beziehung ein Buch las, in dem es nur über das Ende von Beziehungen geht.
Die Geschichten sind gut geschrieben, sofern man es von Laien-Autoren erwarten kann, und doch irgendwie banal. Das Leid an sich bleibt von Geschichte zu Geschichte das Gleiche, die Erlebnisse und Erfahrungen der Personen ändern sich und werfen auf die gesamte Gefühlswelt immer einen eigenen Schatten. Sei es nun, ob er aus der einen Story hintergangen wurde oder ob sie aus einem anderen Essay nicht mehr in ihr altes Cafe zurückfindet.
Ja, es ist banal. Aber genau das ist es, was dieses Buch ausmacht. Wenn ich nun zurückdenke war meine Situation genauso banal, alleingelassen und irgendwie verstört - und das wegen dem Ende einer normalen Beziehung. Aber dass so etwas einfaches sich nicht einfach erklären lässt, so wie ich es sonst mache, macht das Erlebte viel intensiver.
Ich denke mir, dass ich vor dieser Situation, in der ich damals war, diesen Geschichten sicherlich nicht einmal ansatzweise eine Emotion hätte entnehmen können. Nun, was soll ich sagen? Trocken betrachtet besteht das Buch eben aus 40 reinen Herzschmerz-Geschichten, die von Studenten geschrieben wurden, die einen Autorenwettbewerb gewonnen hatten. Für ernsthafte Personen kann ich das Buch nicht empfehlen - war sich aber eingesteht, dass ein wenig Kitsch nicht verwerflich ist, sollte den Kauf in Betracht ziehen.


Bewertung




Links

Nachtrag: Die Geschichten sind anscheinend qualitativ geordnet. Vor fangen die wirklich guten an und sie bauen mit der Zeit ab. Im letzten Drittel, das ich jetzt erst fertiggelesen habe, sind die Erzählungen nicht mit denen der ersten Seiten zu vergleichen.

Road-Trip #3

Es war nun Donnerstag, der 6. September, an dem ich wieder aufwachte. Chemo hatte einen dicken Kopf, denn schließlich hatte er am Vorabend bei meiner nächtlichen Bergstrassenrally eine Flasche Weisswein am Beifahrersitz zur Beruhigung ausgetrunken. Als wir nun so etwas verfroren aus der Auto krochen - es hatte in der Nacht stark abgekühlt - sahen wir, dass unser Parkplatz direkt an einer Gerade einer Bundesstraße lag neben dem steilen Abhang zu einem Fluss. Oder Müllhalde, für die Italiener scheint das keinen Unterschied zu machen.
Eigentlich sollte ich ja nicht schreiben, was nach dem Zähneputzen passierte. Wir mussten nämlich die Scheibe reinigen, von Kondenswasser. Innen. Als wir das ein paar Tage zu Hause einem Bekannten tippte der auf homoerotische Erlebnisse, weswegen die Scheiben angelaufen waren. War aber nicht so, das versichere ich euch.
Nun, die Fahrt ging weiter, Richtung La Spezia, wo wir tankten. Und der Tankwart ganz erbost war, als ich selbst tanken und den Reifendruck prüfen wollte. Anscheinend gibt es dort keine Unterteilung zwischen Selbstbedienungs- und Bedienungs-Zapfsäulen; dort wird Service noch groß geschrieben.
Noch vor Massa sahen wir dann ein Schild für einen Carrefour, ein Riesensupermarkt wie Chemo mir erzählte. Denn es ist sehr seltsam: In diesen kleinen italienischen Dörfern sehe ich nie einen Supermarkt. In Dörfern, wo es hier einen SPAR, einen Billa und einen Merkur gibt, gibt es dort nicht einmal einen Greißler. Wovon sich die Italiener dann ernähren frage ich mich...
Egal. Massa, das liegt hinter Carrara erreichten wir ziemlich schnell. Und das erste was einem auffällt, wenn man in die Stadt kommt ist, dass das Essen hier wortwörtlich auf der Straße liegt. Orangen. Zwar sind die Orangenbäume alle recht schön, so wie sie die Strasse säumen, aber der faulige Geruch der überfahrenen Orangen trübt diesen schönen Eindruck. Wir fanden nach einiger Zeit den Carrefour, obwohl wir danach fragen mussten. Allein das war ja wiedermal ein Spass an sich, denn weder Chemo noch ich konnten Italienisch. Wir kauften guten Käse, Brot und Obst und machten uns gleich unverzüglich wieder auf in Richtung Pisa.
Irgendwo vor Pisa legten wir uns dann an den Strand. Man merkte, dass der Herbst gekommen war, denn trotz Sonne trieb ein ordentlicher Wind den Sand vor sich her und machte so den Strandliegen angenehm - sofern man jemand ist, der nicht so gerne von der Hitze überrumpelt wird. Es gab ein paar kitesurfende (weibliche) Schönheiten zu bewundern und danach ein Suche nach öffentlichen Duschen, denn keiner der Hotelangestellten wollte uns (obwohl die Saison schon mehr als vorbei war) zu den am Strand installierten Duschen vorlassen.
Nachdem wir aber endlich Duschen gefunden hatten (Kilometer Fußmarsch) fuhren wir nach Pisa hinein und parkten. Irgendwo. Und ich muss sagen, dass sich den Platz nicht schlecht abgeschätzt hatte, denn obwohl wir keinen Stadtplan von Pisa hatten parkte ich, wie sich später herausstellte, keine 50 Meter von dem Dom zu Pisa entfernt.
Ein schönes Gemäuer, auch das Taufhaus passt zu diesem beeindruckenden Gebäude. Und ja, der Turm steht ja auch noch immer dort. Was ich aber noch sagen muss, ist, dass egal wie gut der Fotograf ist, der Turm kam mir in Wirklichkeit wesentlich schiefer vor, als ich ihn je mit einem Foto mir vorgestellt hatte. Und ja, diese "Ich-stosse-den-Turm-von-Pisa-um"-Fotos macht jeder, der dort auf dem Platz steht. Nur nicht ich. Ich werde vom schiefen Turm im Sturz begraben. Aber wem das nicht reicht, ich kann noch mehr bieten. Denn der Dom hat viele, schöne Details.
Und bevor ich das vergesse: Diese Ramschverkäufer, die echte Rolex-Uhren und Louis-Vuitton-Taschen verkaufen, kommen alle aus Pisa. Der Anzahl der dort vertretenen zu Folge. Das Beste bleibt immer noch, dass die ihren Ramsch sich untereinander verkaufen und tauschen. Nach dem Motto "Für 3 Breitling-Imitate gibst du mir eine Rolex-Fälschung". Seltsam.
Aus Pisa herauszufinden war dann die nächste Aufgabe, die wir aber wunderbar bewältigten. Denn wir mussten nach Florenz und Florenz liegt im Osten. Es war Abend und die Sonne ging unter - also einfach immer nur in die andere Richtung. Weg von der Sonne. Wie einfach doch solche Orientierungsmethoden funktionieren.
Aber es fang nun an. Auf dieser kostenlosen Bundesstraße, die wir nach Florenz befuhren, aßen wir unser Mittagessen und kamen dann auch nach Florenz. Mehr oder minder. Wir kamen nach Scandicci, einen Vorort, den wir um ein Haar nicht mehr verlassen konnten, denn sobald wir das Ortsausfahrtsschild von Scandicci passierten, fuhren wir 30 Sekunden später an einem Ortseinfahrtsschild von Scandicci vorbei. Nach aber einiger Zeit kamen wir wirklich nach Florenz. Da Florenz aber kein Ziel, sondern nur ein zu passierender Ort war, suchten wir nach Hinweisschildern für die Richtung in die nächste Station: Arezzo.
Nur findet man in ganz Florenz kein Schild auf dem Arezzo steht. Und glaubt mir bitte, denn ich bin durch ganz Florenz gefahren. Wir fanden hunderte Schilder auf denen Siena stand, und obwohl Siena auch südlich von Florenz liegt, wäre das die falsche Richtung gewesen, denn das wäre südwestlich (Arezzo: Südöstlich). Daher fuhren wir bei jeder Kreuzung, an der irgendwo Siena angeschrieben war, immer in die Richtungen, die nicht nach Siena (oder Scandicci, auch diese Schilder sahen wir) zeigten. Das führte dazu, dass wir uns irgendwann am Nordrand von Florenz wieder fanden. Die Sonne war längst untergegangen, eine Orientierung anhand der Sterne war aufgrund der Wolkendecke nicht möglich.
Wir fanden dann auch aus Florenz heraus: Auf einer Strasse, die auf der Karte klein und weiss und unbedeutend war. Aber wir fanden heraus und kurvten mitten in der Nacht durch die tiefste toskanische Provinz. Wir sahen sogar Greve in Chianti, soll eine schöne Stadt sein. Chemo wurde wieder etwas unruhig, denn ich hatte meine Freude mit der Fahrt über die toskanischen Hügelstrassen.
Schlussendlich fanden wir dann auch nach Arezzo und darüber hinaus. Und irgendwo hinter Arezzo und vor Sansepolcro bleiben wir dann traditionellerweise auf einem Parkplatz stehen und machten uns für die Nacht bereit. Dieses Mal sogar luxuriöserweise mit lang gezogenem Kombi. Er trank seine Bierra du Demon, 12% Biere mit eine Temperatur von 20°C und ich einen etwa gleichwarmen Rotwein. Und so erheitert gingen wir schlafen - obwohl in der Ferne ein Hund seit mehr als einer Stunde bellte und uns unsicher stimmte.

Bisheriger Reiseverlauf: Montag - Dienstag - Mittwoch

Wenn man schon dran glauben muss

Die österreichische Tageszeitung Die Presse hat am Samstag einen sensationellen und sicherlich auch kontroversen Essay von Robert Menasse mit dem Titel "Wenn man schon dran glauben muss" veröffentlicht. Zentraler Punkt dieses Schriftstücks ist die Frage nach der Säkularisierung unserer Gesellschaft oder der Schaffung einer Ersatzreligion. Man soll sich die Zeit nehmen und den einfach lesen, und dabei denke ich nicht nur an meine Leser - sofern es sie gibt - sondern auch an Ratzinger, Papst Benedikt XVI. Der sollte den Essay auch lesen. Wirklich.

MP3-Tipp: Feist - "My Moon My Man"


Ohne viele Worte zu verschwenden. Bei einem der letzten Tipps habe ich Feist erwähnt, und ich glaube, dass ich noch nichts von ihr gebracht habe. Dieses Lied sollte man sich aml anhören. Hat was.

MP3: Feist - "My Moon My Man"

(via The Canals)

Abendvorlesung

Die erste Abendvorlesung meines Lebens. Und zwar wirklich Abendvorlesung. Ich hatte zwar oft Labore, bei denen ich bis 10 Uhr im Labor stand - dafür war das alles selbsteinzuteilende Arbeit. Konnte schon einmal sein, dass ich um 6:30 anfing, oder eben erst um 10 heim ging. Ist ja nichts schlimmes, man ist ja flexibel.
Aber ich habe ehrlichgesagt keine Lust, dass, wenn die Sonne untergegangen ist, ich jemandem zuhören soll - vorrausgesetzt ich sitze jetzt nicht in einer Bar und habe ein Schönheit vor mir. Kann alles nichts.

Noch mehr Probleme

Die Umstellung des Studienplans macht mehr Probleme als erwartet. Denn es gibt jetzt ein wesentlich vielfältigeres Angebot an Laborkursen, was ja eigentlich nicht so schlecht ist. Leider stehen aber all diese einzelnen Kurse in der großen Äquivalenzliste für Pflichtfächer des auslaufenden Diplomstudiums "Technische Chemie". Leider war ich schon so ambitioniert und habe fast alle alten Pflichtfächer abgeschlossen, was mir nun verbietet, die neuen, gleichwertigen Laborfächer zu belegen.
Ich sitze jetzt seit mehr als einer Stunde vor dem PC und suche nach interessanten und für mich möglichen Fächern, und ich bin inziwschen grantig. Wirklich grantig. So habe ich mir meinen Semesterstart nicht vorgestellt.

Altes Eisen

Es ist wieder soweit - es beginnt das neue Semester. Zumindestens hier in Österreich, denn hier beginnt (fast) jede Uni das reguläre Wintersemester am 1. Oktober.
Es gab kein Wintersemester, das ich so unorganisiert begonnen habe, wie dieses. Das ist jetzt nicht alleine meine Schuld, es kommt nämlich dazu, dass ich jetzt im zweiten und letzten Abschnitts (und Studienjahres) meines Studiums bin und über die Sommerferien wurde mein Studium eingestellt. Ich kann es nun zwar immer noch vollenden, nur mit gleichwertigen und neuen Ersatzvorlesungen und -übungen. Diese Umstellung erfolgte im Zuge eines Kooperationsprojektes zwischen der klassischen Grazer Uni und der Technischen Uni - und im Zuge dieses Projektes kennt sich genau niemand mehr aus. Und es fehlt natürlich auch die Liste der Äquivalenzfächer. Nicht einmal der Studiendekan kann Auskunft geben, also heißt es warten und hoffen, dass die gewählten Fächer für mein Studium gültig sind.

Dafür hatte der heutige Tag wieder einmal seine Vorteile. Nämlich die, dass man erkennt, dass man zum alten Eisen gehört. Und das ist nicht im geringsten negativ gemeint. Es geht viel mehr darum, dass man selbst zu den bekannten Gesichtern gehört. Ich komme wieder auf die Uni, man begrüßt sich, Professoren und Studenten freuen sich, sich wiederzusehen und eigentlich ist alles okay.
Das stellt ja nicht den Höhepunkt da: In all dieses Semstern verbessert man seine Menschenkenntnis und inzwischen braucht man nur noch eine Bewegung sehen und man erkennt, ob der Studierende vor einem ein Erstsemestriger ist oder nicht. Es ist einfach erheiternd, wenn man all diese verlorenen Seelen herumirren sieht und gefragt wird "Wo ist denn bitte der Hörsaal 017?". Es erinnert einen an die Zeiten, in denen man selbst so neu und grün hinter den Ohren war, in denen man Raumpläne und Stundenlisten brauchte. Ich kann mich noch daran erinnern, wie verloren ich mich auf der Uni fühlte, und das schon bevor ich dort zum ersten Mal ankam. Weil ich auf dem Weg zur Uni fragen musste, welche Straßenbahnlinie dort überhaupt hinführen würde.
Nun ist alles anders. Das Ende naht, das Studium hat all den Schrecken verloren und ich gehe gerne ins Labor. Es ist einfach Routine.

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