
Info
Titel: Not Too Late
Interpret: Norah Jones
Genre: Country, Jazz
Label: EMI
Release: 2007
Tracks: 13
Meinung
Es ist ein schweres Los, das Norah Jones trägt. Als Tochter von Ravi Shankar kommt sie ja aus einer musikalischen Familie und ihr wird auch einiges abverlangt. Und sie wird verehrt wie eine Musikgöttin.
Seit dem einen Abend 2003, an dem sie 8 Grammys für ihr Album "Come Away With Me" gewann ist nichts mehr wie es war - wie sollte es denn auch mit 8 Grammys. Das selbe Problem hatte auch Lauryn Hill, die mit ihrem "Miseducation"-Album soviel abräumte und dann unterging. Norah Jones wird aber seitdem als die weiche Stimme bezeichnet, die Emotionen weckt und die in allen Lebenslagen passt. Sie, die Göttin der Gefühle singt sich in unser Herz. Wirklich?
Nun, gar so schlimm ist es nicht, aber Norah Jones wird als eine Sängerin gefeiert die sie nicht ist. Sie ist unbestritten gut aber sie ist keine Göttin und deswegen kann ihre Musik niemals ihrem Ruf gerecht werden.
Not Too Late steht eigentlich in der Tradition wie alle Norah Jones Platten. Härter ausgedrückt kann man sagen, dass es eigentlich nur "Come Away With Me" oder "Feels Like Home" mit neuem Cover ist. Kaum eine Weiterentwicklung, keine Veränderung. Scheinbar ist Norah Jones ein unveränderliches Genre und keine Sängerin wären da nicht ein paar versteckte Novitäten.
Die erste Singleauskopplung Thinking About You ist Norah Jones wie wir sie kennen, denn wer sie von ihren alten Alben ausgehend mag wird sie auch mit diesem Lied wieder mögen, da es im Endeffekt ein und die selbe Art von Musik ist. Hier spürt man keine Bewegung, keine Veränderung. Das ist bei Little Room, Be My Somebody, Wish I Could und Until the End gleich und das ist einfach das Manko des Albums.
Norah Jones hat aber so etwas wie devoten Mut bewiesen, als sie auf ihrem letzten Album The Long Way Home von Tom Waits (auf Orphans: Brawlers) coverte. Zwar klang das Ergebnis nicht mutig sondern eher nach einer kindlichen Nacherzählung - aber der Wille war da. Mit Smokin' Soon versucht sie sich wieder mutig an einem Waits-Stück und diesesmal sind ansatzweise auch neue musikalische Elemente zu entdecken. Gerade das macht Hoffnung, dass sie mit der Zeit von ihrer indifferenten Songschreibweise abweicht.
Genauso verzichtet sie bei Not my Friend auf die klassische Jones-Musik und variiert hier mit einer minimalen Klanguntermalung und einem guten Melodie-Bild, deswegen auch eines der Stücke die sich auf dem Album auszeichnen.
Am Ende bleibt jedoch nur Norah Jones so wie wir sie kennen. In einer Hinsicht ist sie ja großartig: Sie schafft es den Brückenschlag zwischen Gefälligkeit und Individualismus gut; so gut, dass es Angst mancht. Man kann diese Platte überall hören: im Auto, im Büro, im Fahrstuhl, im Wohnzimmer, denn sie wird nicht stören - denn Norah Jones ist so gefällig dass sie vor sich hin plätschert und einfach niemals stört.
Und deswegen ist dieses Album einfach nicht mehr gut - weil es so anspruchslos und fast gleichgültig ist. Und nach Kastner&Öhler, 3. Stock, Bettwäscheabteilung klingt.
Bewertung

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